Der Wunsch des Arbeitgebers, seinen zukünftigen Mitarbeiter in aller Ruhe "zu testen", ist verständlich.

Durch die Einführung des Mindestlohngesetzes ist aber genau definiert, welche Praktika tatsächlich nicht unter den Mindestlohn fallen:

Gesetz zur Regelung eines allgemeinen Mindestlohns (Mindestlohngesetz - MiLoG)
§ 22 Persönlicher Anwendungsbereich

(1) Dieses Gesetz gilt für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Praktikantinnen und Praktikanten im Sinne des § 26 des Berufsbildungsgesetzes gelten als Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Sinne dieses Gesetzes, es sei denn, dass sie
1. 
ein Praktikum verpflichtend auf Grund einer schulrechtlichen Bestimmung, einer Ausbildungsordnung, einer hochschulrechtlichen Bestimmung oder im Rahmen einer Ausbildung an einer gesetzlich geregelten Berufsakademie leisten,
2. 
ein Praktikum von bis zu drei Monaten zur Orientierung für eine Berufsausbildung oder für die Aufnahme eines Studiums leisten,
3. ein Praktikum von bis zu drei Monaten begleitend zu einer Berufs- oder Hochschulausbildung leisten, wenn nicht zuvor ein solches Praktikumsverhältnis mit demselben Ausbildenden bestanden hat, oder
4. 
an einer Einstiegsqualifizierung nach § 54a des Dritten Buches Sozialgesetzbuch oder an einer Berufsausbildungsvorbereitung nach §§ 68 bis 70 des Berufsbildungsgesetzes teilnehmen.
Praktikantin oder Praktikant ist unabhängig von der Bezeichnung des Rechtsverhältnisses, wer sich nach der tatsächlichen Ausgestaltung und Durchführung des Vertragsverhältnisses für eine begrenzte Dauer zum Erwerb praktischer Kenntnisse und Erfahrungen einer bestimmten betrieblichen Tätigkeit zur Vorbereitung auf eine berufliche Tätigkeit unterzieht, ohne dass es sich dabei um eine Berufsausbildung im Sinne des Berufsbildungsgesetzes oder um eine damit vergleichbare praktische Ausbildung handelt.
(2) Personen im Sinne von § 2 Absatz 1 und 2 des Jugendarbeitsschutzgesetzes ohne abgeschlossene Berufsausbildung gelten nicht als Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Sinne dieses Gesetzes.
(3) Von diesem Gesetz nicht geregelt wird die Vergütung von zu ihrer Berufsausbildung Beschäftigten sowie ehrenamtlich Tätigen.
(4) Für Arbeitsverhältnisse von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, die unmittelbar vor Beginn der Beschäftigung langzeitarbeitslos im Sinne des § 18 Absatz 1 des Dritten Buches Sozialgesetzbuch waren, gilt der Mindestlohn in den ersten sechs Monaten der Beschäftigung nicht. Die Bundesregierung hat den gesetzgebenden Körperschaften zum 1. Juni 2016 darüber zu berichten, inwieweit die Regelung nach Satz 1 die Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen in den Arbeitsmarkt gefördert hat, und eine Einschätzung darüber abzugeben, ob diese Regelung fortbestehen soll.
 

Das Zauberwort heißt hier MAG - Maßnahme beim Arbeitgeber

 

MAG– Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung bei einem Arbeitgeber:

Um festzustellen, ob ein potentieller Arbeitnehmer für eine zu besetzende Stelle geeignet ist, kann mit Abstimmung des Jobcenter eine MAG zur Arbeitserprobung bei einem Arbeitgeber durchgeführt werden.

Um Arbeitsuchenden die für den ersten Arbeitsmarkt notwendigen Kenntnisse zu vermitteln, können auf Wunsch des Leistungsempfängers MAT zur Qualifizierung des Bewerbers durchgeführt werden.

Voraussetzung für die Förderung ist u.a., dass die Einwilligung des Jobcenter erfolgt und die betriebliche Trainingsmaßnahme/MAG geeignet und angemessen ist, die Eingliederungsaussichten zu verbessern.

Die Förderung ist u.a. ausgeschlossen, wenn

  • der Arbeitslose innerhalb der letzten 4 Jahre mehr als 3 Monate bei dem Arbeitgeber versicherungspflichtig beschäftigt war
  • der Arbeitgeber dem Arbeitslosen bereits vorher den Job angeboten hat
  • kein Arbeitsplatz vakant ist und die MAG auch keiner Eignungsfeststellung dient
  • eine Beschäftigung auch ohne eine MAG erwartet werden kann.

Ziel dieser betrieblichen MAG ist es, direkt am Arbeitsplatz unter Beaufsichtigung und Betreuung durch eine Fachkraft die beruflichen Kenntnisse und Fertigkeiten, das Leistungsvermögen sowie die beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten des erwerbsfähigen Hilfebedürftigen festzustellen. Während der MAG sind selbstverständlich alle Bestimmungen des Arbeitsrechts einzuhalten!

Insgesamt darf die Dauer einer betrieblichen MAG bei einem Arbeitgeber sechs Wochen nicht übersteigen.

(Aber: Ein potentieller Arbeitnehmer kann mehrmals bis zu sechs Wochen an einer betrieblichen MAG teilnehmen, wenn diese bei verschieden Arbeitgebern durchgeführt werden.) Die Förderung einer betrieblichen MAG erfolgt durch Zuweisung zu einem konkreten (namentlich bestimmten) Arbeitgeber.

Die Grundlage hierzu ist der § 45 SGB III

Also:

Ein Praktikum muss durch das Jobcenter initiiert sein - sprechen Sie vor der Aufnahme eines Praktikums mit Ihrem Jobcenter.

   
© JayCon.de